12. Februar 2026

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Stipendienübergabe an herausragende Studierende der Kunstakademie Düsseldorf

Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen und die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf vergeben seit 1994 jährlich während des Rundgangs drei Reisestipendien an herausragende Studierende der Kunstakademie Düsseldorf. Die Stipendien sind erstmalig mit insgesamt 9.000 EUR durch die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf dotiert. Sie sollen Studierenden dabei unterstützen, ihre künstlerische Entwicklung im Rahmen einer individuell zu bestimmenden Reise erfolgreich voranzutreiben.

Die Vergabe der Reisestipendien findet bereits zum 32. Mal statt und bestätigt das nachhaltige Interesse und Engagement des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen und der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf für die Kunstakademie und ihre Studierenden. In diesem Jahr entschied sich die Jury – bestehend aus Gloria Hasnay (Direktorin) und Clara Maria Blasius (kuratorische Assistenz) des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen sowie Stefan G. Drzisga (Geschäftsführer) und Esther Breinig (Kuratorin) der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf – für drei Künstler:innen, die außerordentliche und sehr eigenständige Beiträge auf dem diesjährigen Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf zeigen.

Antonia Hermes, die in der Klasse von Prof.in Nina Canell studiert, zeigt auf der Zwischenebene des Klassenraums eine mehrdimensionale Arbeit, die eine Beschäftigung mit historischen Technologien, gesellschaftlichen Strukturen sowie biografischen Bezügen vereint. All aaf (2026) untersucht die verschiedenen Strömungen, die durch Systeme, Materialien und Traditionen verkörpert werden, und die Übertragungen zwischen ihnen. Für die Installation hat Hermes reguläre Glasflaschen zerteilt, sozusagen verdrahtet und auf dem Boden verteilt. Die Flaschen beziehen sich auf die Leidener Flasche, die im 18. Jahrhundert erfunden wurde, und eine frühe Form eines Kondensators darstellt. Mit dem Titel der Arbeit – einem Wortspiel des kölschen „alaaf“ – sowie mit drei Fotografien aus dem Familienarchiv, die die Großmutter der Künstlerin bei einer Parade und einer Büttenrede zeigen, stellt Hermes Bezüge zum Brauchtum her. Das Karnevalskostüm wird als Gefäß und Möglichkeitsraum lesbar, in dem sich Ausdrucksformen ebenso wie Momente der Entladung bündeln. Kostümiert wird die Einzelperson zum Mitglied einer Gruppe, ähnlich einem Partikel in einem unbekannten System. Die kollektive Praxis steht hier somit auch für die formellen und informellen Netzwerke, die koexistieren. So wird die Installation selbst mit den unterschiedlichen Zeitlichkeiten und Bewegungen von technologischen Entwicklungen, familiären Verbindungen und sozialen Traditionen aufgeladen und überträgt sich über die verschiedenen Medien in den Raum.

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Antonia Hermes, All aaf, Installationsansicht Kunstakademie Düsseldorf, 2026, Foto: Yoong Jang

Die Klasse für Fotografie, die im Oktober 2025 von der britischen Künstlerin Josephine Pryde übernommen wurde, präsentiert auf dem diesjährigen Winterrundgang eine gemeinsame Arbeit: Bulletin Board und Bulletin Board II. Ausgehend von einer räumlichen Setzung fand sich der neu gebildete Klassenverband im Gespräch zusammen, in dessen Zentrum die Frage stand, welche Formate und Sprachen zur Verfügung stehen, um über die eigene Arbeit ebenso wie über die Arbeiten anderer zu sprechen. Die meterlange Pinnwand, die vom ehemaligen Professor Christopher Williams eingerichtet worden war und den Klassenraum im obersten Stockwerk der Kunstakademie über Generationen von Studierenden hinweg prägte, wurde abmontiert und zu nächst als Bodendisplay für die Arbeiten der Klassenmitglieder genutzt. Die Studierenden beschrieben und diskutierten die Werke ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen, wobei diese auf dem Rundgang selbst nicht zu sehen sind; lediglich die Titel sind einer ausliegenden Liste zu entnehmen. Als eine Art Stellvertreter wurden einheitlich gelb bemalte Leinwände in den jeweiligen Proportionen auf dem unter der Pinnwand freigelegten Putz installiert. Vor allem aber bleiben die Arbeiten über die aufgezeichneten Gespräche präsent, die zu einem Video geschnitten wurden. Dieses ist am Eingang des Raumes in einem durch gekippte Arbeitstische abgetrennten, leicht abgedunkelten Bereich zu sehen. Die Bildebene besteht aus Aufnahmen der nun leeren Pinnwand und wird untermalt von den Geräuschen, die das rollende Stativ beim Filmen der Pinnwand erzeugte. Die Entscheidung, diese kollektive Auseinandersetzung an die Stelle einer konventionellen Präsentation einzelner Arbeiten zu setzen, erweist sich als eine präzise und überzeugende Geste; sie kündigt eine Fortsetzung des geteilten, offenen Raumes an, den die Pinnwand für die Klasse repräsentierte.

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Klasse Josephine Pryde, Bulletin Board II, Installationsansicht Kunstakademie Düsseldorf, 2026, Foto:Justus Lietzke und Lea Babel

Die Praxis von Tayyib Sen aus der Klasse von Prof.in Alexandra Bircken ist geprägt von einer Arbeitsweise, die sich an Materialien und Objekten und den ihnen inhärenten Logiken entlang entwickelt. Seine basiert auf handelsüblichen Drahtkleiderbügeln, deren Gestaltung und Prouktion unmittelbar mit seiner Funktion und Funktionalität verknüpft sind. Die standardisierten Bügel werden von ihrem ursprünglichen Zweck gelöst und, vielfach addiert, zu einem neuen Ganzen zusammengesetzt. Sen belässt die einzelnen Bügel unverändert, setzt sie aber in einer großformatigen Anordnung zusammen, die die Gegenstände aus ihrem Kontext heraus in eine skulpturale Vertikalität verschiebt. Die stützenähnliche Silhouette suggeriert eine gewisse Stabilität, während die Geometrie der Ausgangsformen eine Ornamentik hervorbringt. „Verstärkt“ wird die Struktur durch Klebefilm, der sich in diesen alltäglichen und schnelllebigen Charakter einreiht. Die Bügel treten hier als Readymades sowie als Material auf. Sie dienen zugleich beispielhaft als Platzhalter sowohl für die allgemeine menschliche Tendenz zu Kategorisieren und Einzuordnen als auch für selektives Wahrnehmen und Übersehen. Legato, dessen Titel sich auf die musikalische Anweisung eines fließenden Übergangs zwischen einzelnen Tönen bezieht, verweist auf das Potenzial neuer Verbindungen und regt zu Perspektivwechseln an.

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Tayyib Sen, Legato, Installationsansicht Kunstakademie Düsseldorf, 2026, Foto: Mathis Ratschinski und Camille Batteux

Titelfoto: Tayyib Sen (links), Antonia Hermes (zweite von links) Lea Babel (Tutorin der Klasse Prof.in Josephine Pryde, vierte von links) und weitere Studierende der Klasse Prof.in Josephine Pryde © Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf

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