Das bundesgeförderte moers festival, das vom 21. bis 25. Mai 2026 stattfindet, hat im Rokokozimmer des Moerser Schlosses sein Programm für die 55. Jubiläumsausgabe präsentiert. Unter dem Motto „… wie im Märchen“ werden an Pfingsten rund 200 Künstler*innen aus über 20 Nationen spannende Hörimpulse setzen und erneut musikalischen Wagemut nach Moers bringen.
Das Festival trägt in diesem Jahr den Subtitel „Jazzfestival für Rotkäppchen, klatschende Frösche, Wirklichkeitsflucht und: Âventiure“ und findet erstmals wieder direkt in der Moerser Innenstadt, auf dem Kastellplatz, statt. Unter dem Leitmotiv „…wie im Märchen“ setzt sich das moers festival 2026 mit der Kraft des Erzählens auseinander. Märchen werden dabei nicht bloß auf die große europäische Tradition reduziert, sondern als künstlerisches Mittel verstanden, um sich mit der Komplexität – und leider auch der Brutalität unserer Zeit – auseinanderzusetzen. Künstlerisch radikal interpretiert wird dieses Sujet durch zwei halbszenische Großproduktionen: Gellert Szabo’s Ideal Orchestra sowie das Musiktheater „Märchenhafte Klangschaften“ des Chroma Kollektivs übersetzen die Suche nach Wahrheit und die Flucht in die Fiktion in gewaltige Klangbilder.
Der bereits verkündete Standortwechsel zum Kastellplatz, in direkter Nähe zum Ursprung des Festivals im Schlosshof, ist die Initialzündung für die längste und intensivste Ausgabe in der Geschichte des Festivals: Erstmals erstreckt sich das Jubiläumsprogramm über fünf Tage (21. bis 25. Mai 2026). Zudem kehrt das Zelten zurück in den Freizeitpark: Auf der Ballonwiese – in direkter Nähe zur dortigen Plaza und dennoch nur einen kurzen Spaziergang vom Festivalgeschehen entfernt – entsteht so ein zusammenhängendes Festivalareal, das kurze Wege mit dem charakteristischen Moerser Gemeinschaftsgefühl vereint.
Den feierlichen Auftakt gestaltet die WDR Big Band unter Leitung von Vince Mendoza (US). Gemeinsam mit dem südafrikanischen Jazzpianisten Nduduzo Makhathini wird sie den Kastellplatz bereits am Donnerstag (21.05.), dem bundesweiten „Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt“, in großer Besetzung zum Klingen bringen.

Schwerpunktländer: USA und „?Afrika“
Dass die USA 2026 als Schwerpunktland im Fokus stehen, begründet sich nicht nur durch die ungewöhnliche Auswahl wegweisender Künstler*innen der aktuellen US-Szene, sondern auch durch die Marginalisierung Schwarzer Kultur unter dem derzeitigen US-Regime sowie der ‚Märchenerzählungen‘ des amtierenden US-Präsidenten, die das Festivalthema zwischen Fiktion und Realität auf besondere Weise spiegeln. Aus den USA reisen Größen wie die — zuletzt für einen Grammy nominierte — Saxophonistin Lakecia Benjamin und das New Yorker Ensemble Yarn/Wire — bestehend aus Russell Greenberg und Sae Hashimoto (perc), Laura Barger und Julia Den Boer (p) — an. Mit Formationen um Nicole Mitchell (Nicole Mitchell’s Black Earth Sway), Tomeka Reid und Joy Guidry ist zudem der afro-amerikanische Jazz mit seinen Wurzeln im Chicagoer AACM vertreten.
Parallel stark dazu setzt das Festival die Reihe „?Afrika“ mit einem Fokus auf die Region Togo, Benin und Ghana fort: Rund 20 Künstler*innen, darunter die Anagoko Family (Benin) und Nana Benz du Togo, bringen traditionelle Serepewa-Musik, Voodoo-Kultur und westafrikanische Erzähltraditionen in einem Dutzend verschiedenen Festival-Settings auf die Bühnen.
100 Jahre Moderne: Hommage an Morton Feldman und György Kurtág
Zwei Solitäre der Musikgeschichte werden 2026 einhundert Jahre alt. Das Festival widmet dem US-Amerikaner Morton Feldman einen Themenschwerpunkt, in dessen Zentrum eine ‘immoersive’ Aufführung seines Werks “Rothko Chapel” steht. Eine spielerische Verknüpfung erfährt Feldman zudem im Jugendprojekt „Peter, Rotkäppchen und der liebe Wolf Morton“. Dem gerade erst 100 Jahre alt gewordenen ungarischen Komponisten György Kurtág wird durch seinen Sohn, GyörgyKurtág Jr., und den Cimbalom-Meister Miklós Lukács gratuliert. Kurtágs charakteristische Kammermusikfragmente werden darüber hinaus über den gesamten Zeitraum im Unimoersum zu hören sein.
Grenzüberschreitend: Kooperationen und internationale Impulse
Die Partnerschaft mit dem britischen Huddersfield Contemporary Music Festival (hcmf//) wird 2026 im Projekt X perimental N Counters (kurz: XN) intensiviert. In gemeinsamen Workshops unter der Leitung von Heather Roche und Konzerten wie dem Noise-Trio Erosion Control oder dem Duo Shahbaz Hussain & Helen Anahita Wilson verschmelzen britische Experimentierfreude und globale Einflüsse zu neuen, unerhörten Klangfeldern. XN wird finanziert durch die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH (GVL) und Phonographic Performance Limited (PPL) mit Unterstützung des Goethe-Instituts London.
Märchenhafte Entdeckungen finden sich in allen Winkeln der Welt: Das indonesische Duo Senyawa wird in fünf verschiedenen Konstellationen die Grenzen von Stimme und Instrument ausloten. Einen technologischen Kontrapunkt setzt Moritz Simon Geist mit seiner Performance TRIPODS ONE: Er lässt Roboter Musik machen und erkundet so das spannungsreiche Zusammenspiel von mechanischer Klangerzeugung und elektronischen Strukturen. Weitere Impulse kommen aus Brasilien mit “So Says the Drum” (Bella Comsom & Bruna Cabral), Island (Lilja Maria Asmundsdottir) oder Ägypten (The Dwarfs of East Agouza). Dazu treten international besetzte Formationen wie Gordon Grdina’s RU’YA feat. Ghalia Benali (CA/TN/TR/IR/AU/DE) oder Witch ‘n’ Monk (UK/COL) auf. Die aktuelle 19. Improviser in Residence Evi Filippou schlägt mit ihrem achtköpfigen Ensemble InEvitable extended (GR/PL/DE/JP/FI/GB) die Brücke zwischen Komposition und Experiment. Die hochkarätig besetzte Formation — Evi Filippou (vibr, perc, voc), Zuza Jasinska (voc), Robert Lucaciu (db), Keisuke Matsuno (g), Arne Braun (g), Jim Hart (dr), Darius Wankel (dr), Daniel Glatzel (sax, cl) — garantiert Virtuosität, Spielwitz und -freude.
Sessions im Schlosshof & Freysinn in der Röhre
Zum 55. Festivaljubiläum kehrt die heutige Improvisationsmusik nach einem halben Jahrhundert wieder zurück in den Schlosshof. Wie in den frühen Tagen des Festivals wird der Innenhof des Moerser Schlosses zum Ort der unmittelbaren Begegnung und des freien Austauschs. Bei den moers sessions verschwimmen die Grenzen zwischen Bühne und Publikum, wenn Künstler*innen des Hauptprogramms in spontanen Formationen den Geist des Freejazz aufleben lassen. Die Sessions werden weiterhin vom Jazzmusiker Jan Klare kuratiert. Ein weiteres Highlight improvisierter Musik sind die Freysinn-Sessions in der Röhre, denn hier entsteht ein ‘Festival im Festival’, welches zu klanglichen Abenteuern einlädt: Frei und unkuratiert kommen auf der Bühne Künstler*innen zusammen, um spontan gemeinsam zu musizieren und zu experimentieren. Eröffnet werden die Freysinn-Sessions am Donnerstagabend von den lokalen Musikern Jan Krause (g), Fabian Deschler (sax) und Johannes Schierhorn (dr) als “Kraus’sches Deschelhorn”.
Ein Kosmos der kurzen Wege: Das Unimoersum rund um den Kastellplatz
Die Hauptbühne auf dem Kastellplatz verwandelt die Moerser Innenstadt in ein kompaktes Areal. Das Geschehen verzweigt sich in den Schlosshof, die Kirchen St. Josef und die ev. Stadtkirche sowie das Alte Landratsamt, das Schlosstheater und das Peschkenhaus. Ein besonderer Ort der Begegnung entsteht auf der Wiese am Pulverhaus: Unter dem Titel „Wo die wilden Frösche klatschen“ finden hier tagsüber kostenlose Kinder- und Familienprogramme sowie Workshops statt, bevor sich das Areal abends in eine Konzertbühne verwandelt. Die Röhre, das Bollwerk 107 und die Skate-Bahn im Freizeitpark erweitern das Unimoersum.
Ein Festivaldorf für alle
Die Verbindung zwischen Stadt und Musik bildet das weitläufige Festivaldorf. In diesem Jahr umgibt der bunte Markt nicht nur die ticketierte Büne auf dem Kastellplatz, sondern erstreckt sich als lebendige Flaniermeile von der evangelischen Stadtkirche über die ‘Kleine Allee’ bis hinein in den Schlosspark. Besucher*innen erwarten internationalen Köstlichkeiten, die von herzhaft bis süß und mit einem breiten veganen Angebot jeden Geschmack bedienen. Flankiert wird das gastronomische Angebot von einem vielfältigen Non-Food-Markt: Das Spektrum reicht von individuellem Schmuck, Kunsthandwerk und Edelsteinen über Vintage- und Second-Hand-Mode bis hin zu Accessoires und moderner Kunst. Das Festivaldorf ist als offener Begegnungsort konzipiert: Der Besuch ist für alle Gäste kostenfrei und ohne Festivalticket möglich.
Tickets: Pay What You Can!
Seit Februar läuft der reguläre Ticketverkauf nach dem bereits 2025 erfolgreich eingeführten solidarischen “Pay What You Can” -Preismodell: Tickets gibt es für 45, 87, 129 und 172 Euro – Käufer*innen entscheiden selbst, welche Preiskategorie am besten zu den eigenen finanziellen Möglichkeiten passt. Jede Ticketkategorie ist an allen Festivaltagen und Spielorten gültig. Darüber hinaus gibt es das Ticket für “stille Held*innen” (300 Euro): Es beinhaltet neben dem Zutritt zum Geheimkonzert und einem kostenfreien Zeltplatz auch Zugang zum Backstage-Bereich mit Catering sowie ein Festivalshirt 2026.
Das Zelten beim moers festival ist ausschließlich mit einem Zeltplatz-Ticket möglich. Für „Stille Heldinnen“ -Ticketinhaber*innen ist das Zeltplatz-Ticket kostenfrei, muss jedoch separat hinzugebucht werden. Das Zeltplatz-Ticket kostet 30 Euro und ist ausschließlich in Kombination mit einem Festivalticket erhältlich.
Tickets für das 55. moers festival 2026 gibt es sind unter: tickets.moers-festival.de