Düsseldorfer Forschende haben untersucht, ob die Reihenfolge beim Essen den Blutzuckerverlauf beeinflusst. Eine systematische Übersichtsarbeit des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) kommt zu dem Ergebnis: Werden zunächst Gemüse oder Salat und erst danach kohlenhydratreiche Lebensmittel gegessen, fällt der Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit zunächst geringer aus. Für langfristige Verbesserungen der Blutzuckerwerte ist die wissenschaftliche Datenlage allerdings noch zu begrenzt.
Beim sogenannten Meal Sequencing werden die Bestandteile einer Mahlzeit bewusst in einer bestimmten Reihenfolge gegessen. Häufig stehen dabei Gemüse oder Salat am Anfang, bevor Lebensmittel wie Brot, Reis, Kartoffeln oder Nudeln folgen. Hintergrund ist die Annahme, dass die Ballaststoffe aus dem Gemüse die Aufnahme von Glukose verlangsamen und dadurch den Anstieg des Blutzuckers nach dem Essen abflachen können.
Für ihre Übersichtsarbeit werteten die Forschenden des DDZ 18 randomisierte kontrollierte Studien mit Erwachsenen aus. Dabei zeigte sich, dass der Blutzucker 30 und 60 Minuten nach einer Mahlzeit niedriger war, wenn zuerst Gemüse und anschließend Kohlenhydrate gegessen wurden. Nach etwa zwei Stunden kehrte sich das Bild jedoch um: Dann lagen die Blutzuckerwerte in der Meal-Sequencing-Gruppe teilweise höher als bei den Vergleichsgruppen.
Auch beim Insulin zeigte sich ein ähnlicher Verlauf. Zunächst war der Insulinspiegel niedriger, später stieg er stärker an. Nach Einschätzung der Forschenden könnte dies darauf hindeuten, dass sich die Stoffwechselreaktion durch die Reihenfolge der Lebensmittel vor allem zeitlich verschiebt, anstatt den Blutzucker dauerhaft zu senken.
Langfristige Effekte bislang nicht ausreichend belegt
Erste Hinweise gibt es auch beim Nüchternblutzucker und beim Langzeitblutzucker HbA1c. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sanken beide Werte in einer untersuchten Gruppe stärker, wenn Gemüse vor den Kohlenhydraten gegessen wurde. Die Aussagekraft dieses Ergebnisses ist jedoch eingeschränkt, da es auf lediglich einer Studie beruht. Zudem unterschieden sich dort die verzehrten Gemüsemengen zwischen den Gruppen. Damit lässt sich nicht eindeutig sagen, ob der Effekt tatsächlich auf die Reihenfolge der Lebensmittel oder auf den insgesamt höheren Gemüsekonsum zurückzuführen ist.
Eine allgemeine Empfehlung für Meal Sequencing lässt sich deshalb aus der aktuellen Studienlage noch nicht ableiten. Die untersuchten Studien hatten häufig nur wenige Teilnehmende und verwendeten unterschiedliche Gemüsesorten und Versuchsabläufe. Außerdem wurden viele Untersuchungen in Japan und mit jungen, gesunden Menschen durchgeführt. Ob die Ergebnisse deshalb auf ältere Menschen oder Personen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes übertragbar sind, bleibt offen.
Professor Michael Roden, wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, verweist deshalb auf weitere Faktoren, die für den Blutzucker und den Verlauf eines Typ-2-Diabetes von Bedeutung sind. Neben der Qualität und Zusammensetzung der Mahlzeiten spiele auch die passende Kalorienzufuhr eine wichtige Rolle, insbesondere eine Kalorienreduktion bei Übergewicht.
Die Forschenden sehen weiteren Untersuchungsbedarf. Größere und länger angelegte Studien mit einheitlichen Messmethoden könnten klären, ob Meal Sequencing über die kurzfristige Veränderung des Blutzuckerverlaufs hinaus tatsächlich einen relevanten Nutzen für Menschen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes hat.
Die Ergebnisse der Arbeit wurden im Fachjournal „Clinical Nutrition“ veröffentlicht.
Titelbild: Bei Meal Sequencing werden Bestandteile einer Mahlzeit in einer bestimmten Reihenfolge gegessen, zum Beispiel erst Gemüse und dann Kohlenhydrate. (Bildrechte: DDZ)